Ausstellung Wenni Wellsandt: Werke

Wenni Wellsandt aus Reutlingen beschließt für 2019 die Ausstellungsreihe des Kunstkreises 84 Riedlingen im Kaplaneihaus.  Als ihn dessen Vorsitzender Dr. Berthold Müller animierte, seine Arbeiten in der Donaustadt zu zeigen, machte er sich auf den Weg nach Riedlingen und war fasziniert von den Fachwerkhäusern. Solche hat er schon viele fotografiert, in Deutschland und anderswo und er hat das Thema aufgenommen in seine aktuelle Malerei. Die Fachwerkhäuser in Riedlingen haben ihn ein Projekt umsetzen lassen, das schon seit zehn Jahren in ihm schlummerte. Er beginnt mit einer freien expressiven Malerei in flüssiger Farbe auf unbearbeiteten grundierten Sperrholzplatten. Feine abgestimmte Farbtöne sind es, die er fließen lässt, inspiriert von den Fotos der Fachwerkhäuser, von denen er Details aufnimmt und feststellt, wie grafisch sich das darstellt. Schwarze dicke Balken ergänzen und vollenden schließlich die Bilder. „Jede Bewegung oder jede Farbe bekommt ihr eigenes Zimmer, wie bei einem Fachwerkhaus“.  Zwischen dem schwarzen Balkengerüst und der Farbe muss eine Balance entstehen, betont er. Während das Anlegen eines Bildes bei ihm ein schneller Prozess sei, schildert er die Durcharbeitung als einen langen. Raum, Farbe und Licht nennt er die drei wichtigsten Elemente in seiner Malerei und unterstreicht die Dreidimensionalität der Bilder, die auch dank des Materials Holz entsteht.Fotos von Fachwerk-Details ergänzen die Malerei im hinteren Raum des Kaplaneihauses. Wenni Wellsandt arbeitet fast immer in Serien, wie bei diesen Bildern, die in seinem Sommeratelier in Dänemark entstanden sind, dem Heimatland seiner Frau.

Die 17 Zeichnungen aus der Reihe „Trippy“, mit  Graphitstiften auf leicht beigem Papier aufgebracht, bezeichnet er als Ergebnis einer „privaten Kunsttherapie“. Gezeichnet hat er sie im Krankenhaus während einer schweren Krebserkrankung. Als „neue Entdeckung“ empfindet er die Zeichnungen, oft unter dem Einfluss von starken Medikamenten geschaffen. „Ich fange gestisch an“, beschreibt er hier den Beginn eines Kunstwerkes. Das gehe schnell, während auch hier die Durcharbeitung manchmal Wochen gedauert habe. Futuristisches, geradezu Surreales wird hier deutlich. Weil er die Zeichnungen auf einem Block gemacht hat und sich dabei der Graphitstift durchdrückte, entstanden auf dem Papier Linien. Damit sei die ganze Serie in sich verbunden, schmunzelt der Mann, der diese Arbeiten auch als „Neubeginn“ wertet.

Großformatig sind die Bilder, die sich „Skoven Hvit“ nennen, „Weißwald“ auf Dänisch. Als „kalligrafische Wandbilder“ bezeichnet Wellsandt sie. Auch sie sind in Dänemark entstanden und zwar direkt im Wald, nimmt er darin doch das Wachsen eines Baumes auf, sein Geäst. Fotos schenken Einblick, wie künstlerisch der Wald aussehen kann. Das Weiße steht für Licht. Für diese farbig zurückhaltende Reihe hat er chinesische Schwarztusche und Deckweiß auf Finn-Pappe verwendet, einem kartonartigen Werkstoff. Das Besondere daran: Sie dunkelt wie Holz nach, womit sich das Bild noch verändern kann. Auch hier betont er das Dreidimensionale und bekräftigt in diesem Zusammenhang seinen  Anspruch: „Ich mache ganz neue Sachen“ und streicht dabei die Einzigartigkeit seiner Werke heraus: „Was Wenni Wellsandt macht, hat noch nie jemand gemacht“. Das fange schon bei der Auswahl des Materials an.

Geboren und aufgewachsen ist Werner Wellsandt in Kirchheim/Teck. Bereits als Schüler begegnet er auf der Intermedia 1969 in Heidelberg wichtigen Künstlern, wie Imi Knoebel, Daniel Spoerri, Klaus Staeck und Christo, verbunden mit der Mitarbeit bei einer Verhüllungs-Aktion.  Er studiert an der Akademie der  Bildenden Künste und der Universität Stuttgart mit den Schwerpunkten freie Grafik, freie und angewandte Malerei, Kunstgeschichte und Kunsterziehung, war später Kunstlehrer am Keplergymnasium in Reutlingen. 1974/75 führte ihn ein Studienaufenthalt an die Kunst- und Designschule Reykjavik in Island, wo er seine erste Ausstellung ausrichtete. Sein – auch künstlerisches Leben – ist geprägt von vielen Auslandsreisen und –aufenthalten. So entwickelte er in Grönland eine eigene kalligrafische Maltechnik mit selbstgemixter Tusche, um mit möglichst einfachen Mitteln unterwegs und unter Zeitdruck malen zu können, eine Technik, die er auch auf den „Kerguelen“ anwandte, einem französischen Überseegebiet in der Subantarktis.

Bei der Vernissage am Donnerstag, 10. Oktober, 19 Uhr, wird Wenni Wellsandt in seine Ausstellung einführen. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung von Tim Reusch und seinem Trio aus Tübingen.

Info:
Die Ausstellung „Wenni Wellsandt – Werke“ im Kaplaneihaus ist vom 11. Oktober bis 3. November freitags und samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen. An Allerheiligen, 1. November, bleibt sie geschlossen.

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