Berthold Müller Form und Farbe

Spiel mit Farben und Linien
Dr. Berthold Müller zeigt bei Ausstellung im Kaplaneihaus Experimentierfreude

„Form und Farbe“ hat Dr. Berthold Müller seine zweite Einzelausstellung nach 2006 beim Kunstkreis 84 Riedlingen im Kaplaneihaus überschrieben. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr.

Ulla Mross und Dr. Berthold Müller führen bei der Vernissage zu dessen Ausstellung „Form und Farbe“ am Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr, im Kaplaneihaus ein Künstlergespräch. (Foto: Waltraud Wolf)

Damals waren es ausschließlich Selbstbildnisse und zumeist Zeichnungen, die er zeigte. Diesmal sprühen die Ausstellungsräume vor Farbe und Dynamik, die in vielen der Bilder liegt. Zumeist sind sie großformatig und in den vergangenen drei Jahren entstanden. Und, so der Künstler: Sie wurden noch nie öffentlich gezeigt.

Das in Zwiefalten im Prälatur-Gebäude angemietete Atelier bietet Platz für die großen Maße und schenkt dem Künstler die Freiheit, den ganzen Körper mitschwingen zu lassen, um mit dem Pinsel Bewegung in die Bilder zu projizieren, ausgehend oft von einer Linie. Zudem hat er die Rakeltechnik für sich entdeckt, das Arbeiten mit einem Abstreifholz.

Es sind wenig kleinformatige Bilder mit grafischer Strenge zu finden und viel großformatige mit eben dieser Dynamik und Farbe, die in den Linien steckt. Manche sind als Serie angelegt, so jene, die im Flur hängen und sich in den Farben auf Blau und Rot beschränken mit ein bisschen Schwarz oder in denen Ultramarineblau in vielen Abstufungen dominiert, Spiegelungen sichtbar machend.

Überhaupt wird das Spiel mit den Farben deutlich bei dieser Ausstellung. So legt er bei einigen Werken die Grundform fest und variiert mit Linien und Farben, nimmt in einer Serie bei jedem weiteren Bild eine Farbe weg, bis auf die Reduktion auf Schwarz und Weiß in Kreissegmenten und Geraden. Er stellt Linien und Flächen sich gegenüber, liebt das Spiel mit den bildnerischen Mitteln. In den abstrakten Themen erkennt er die Herausforderung, die viele Möglichkeiten bietet.

Im großen Raum überwiegt das Strenge, Konstruktive. Dazu gehört auch die große Collage zum einstigen Jahresthema „Wasser“, zusammengesetzt aus mehr als 400 Einzelteilen, in denen die unterschiedliche Intensität der Farbe des Wassers erkennbar wird. Filigranes Schaffen zeigt er bei der Glasfenster-Collage-Technik. Die vielen bemalten Papier-Streifen erinnern an Mikado-Stäbe.

Immer wieder holt der Künstler Bilder hervor, die vor längerer Zeit entstanden sind und bearbeitet sie neu, schabt, kratzt, gibt ihnen mit Ölstiften eine neue Aussagekraft, bringt sogar Buchenasche zum Einsatz. „Experimentieren finde ich sehr wichtig“, gesteht er und ergänzt: „Ich probiere andere Dinge aus“. Er verwende sehr gerne kräftige Farben, wobei er betont, dass seine Bilder farbig sind, „nicht bunt“. Bei Licht hätten sie dadurch sehr viele Facetten. Er arbeitet mit Öl- und Acryl-Farben und dies vor allem mit gemischten in Zwischentönen. Seine Bilder strahlen Stimmungen aus.

„Unbewusstes spielt eine Rolle“, vermerkt der Künstler zum Entstehungsprozess eines Bildes. Was ihn auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit und seine Experimentierfreude. Sie findet bei der Ausstellung zum Beispiel Ausdruck in den Objekten, die in Zigarrenkistchen entstanden sind, witzige bis skurrile Dinge. Ironie scheint durch. Ein Freund hat sie ihm vermacht. In der Vitrine zu finden ist auch ein Kunstwerk für Reisende, ein Bild in einer Streichholzschachtel, einen Quadratzentimeter klein. Wie bei seiner gerade beendeten Ausstellung im Petrus-Museum in Zwiefalten hat Dr. Berthold Müller auch für Riedlingen für eine zartgliedrige Skulptur viele Zuckerwattestäbchen ausgewählt, geschmückt mit kleinen bunten Glasscherben.

Genaues Hinsehen lohnt sich zudem bei den Reliefs aus Papier und Pappe, in denen er Papierwaben durchscheinen lässt. „Material als Teil des Bildes“. Auch hierin wird serielles Arbeiten deutlich, wie in weiteren kleinformatigen Bildern, in denen sogar Neonfarben zur Geltung kommen, Linien, die sich von hell nach dunkel bewegen.

Der langjährige Chefarzt der Abteilungen für psychosomatische Medizin und Psychotherapie der SINOVA-Kliniken Reutlingen und Zwiefalten hat einst das Handwerk des Glasmalers erlernt und ist seit 50 Jahren künstlerisch tätig. Er kann auf eine ganze Reihe von Einzelausstellungen verweisen, wie zuletzt in Zwiefalten. Er beteiligte sich an zahlreichen Gemeinschaftsausstellungen des Kunstkreises 84, dessen Vorsitzender er seit 2016 ist. Darüber hinaus durfte er 2014 Werke in der Städtischen Galerie in Riedlingen präsentieren.

Bei der Vernissage am Donnerstag wird Dr. Müller zur Einführung in die Ausstellung ein Künstlergespräch mit Ulla Mross aus Mengen führen. Sie stellte 2017 Grafik und Malerei im Kaplaneihaus aus. Die Conrad Graf-Musikschule begleitet die Eröffnung musikalisch.

Info:

Die Ausstellung „Form und Farbe“ von Dr. Berthold Müller im Kaplaneihaus in Riedlingen ist bis 28. Juli freitags und samstags jeweils von 15 bis 17 Uhr zu besuchen, sonntags von 14 bis 17 Uhr

Von Waltraud Wolf

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