Ausstellung „Auch kräht hier der Hahn noch“
Ilse Wolf begegnet Werner Dürrson
Das diesjährige Sommerfest des Kunstkreises 84 Riedlingen war verknüpft mit der Vernissage zu einer Ausstellung, deren Besonderheit die „Synthese von Malerei und Lyrik“ ist, wie Vorsitzender Berthold Müller betonte.
Riedlingen – Der bis zu seinem Tod 2008 in Neufra lebende Lyriker Werner Dürrson suchte zu Gedichten von sich Bilder von Ilse Wolf aus Inneringen aus und gestaltete 1989 mit ihr das Buch „Auch kräht hier der Hahn noch“. Diesen Titel wählte sie auch für ihre Ausstellung im Kaplaneihaus in Riedlingen, der 52. ihres Künstlerlebens.
Sie verbindet farbenprächtige Bilder der Künstlerin mit Gedichten Werner Dürrsons und ließ die Ausstellungsbesucher lange wie selten beim Betrachten und Lesen verweilen. Berthold Müller würdigte Ilse Wolf mit ihren farbstarken symbolträchtigen Hinterglasbildern als eine der profiliertesten Vertreterinnen dieses Mediums in Deutschland. Ihr Werk zeichne sich durch kräftig leuchtende Farben, klare Symbolik und hohe handwerkliche Präzision aus.

Ilse Wolf mit Doris Tremp (von rechts) vor einem der Hinterglasbilder, die bis 28. September im Kaplaneihaus in Riedlingen gezeigt werden.
Doris Tremp, eine der Frauen, die von Werner Dürrson zur Lyrik geführt wurden, erkannte Hintergründiges, welche die beiden Kunstschaffenden in dem gemeinsamen Buch eingefangen haben, Ilse Wolf mit dem Pinsel, Werner Dürrson mit dem Stift. Und sie erwähnte eine zweite Gemeinsamkeit: die Musik. Ilse Wolf widmete sich dem Cello-Spiel, Werner Dürrson brachte es mit zwei Sätzen aus einem Violinkonzert von Johann Sebastian Bach sogar zum Weltmeister auf der Mundharmonika. Einen Satz davon konnten die zahlreichen Zuhörer bei der Ausstellungseröffnung sogar hören, wenn auch von einem anderen Interpreten. Mit sphärischen Klängen umrahmte Kunstkreis-Mitglied Boris Schultheiß die Eröffnungsreden, bevor es zum Austausch oben in den Ausstellungsräumen und unten am kalten Büffet ging.
Und es gibt noch eine zweite Besonderheit: Am Sonntag, 21. September, 15 Uhr, tragen im Kaplaneihaus fünf Frauen in Erinnerung an Werner Dürrson eigene Gedichte vor, aber auch Werke des von ihnen verehrten Dichters, der zugleich ihr Mentor war und ihrer Gruppierung den Namen gab: Schilfgrashütte.
Info
Die Ausstellung „Auch kräht hier der Hahn noch“ ist bis 28. September freitags und samstags jeweils von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sonntags ist die Künstlerin anwesend.
Von Waltraud Wolf